„Ökologische Begleitung“ oder programmiertes Fischsterben?

PRESSEMITTEILUNG | Tiernotruf Saarland e.V.

Expertengutachten warnt vor ökologischer Katastrophe in den Wassergärten Reden: „Biologische Instabilität bereits erreicht“

Landsweiler-Reden / Homburg, 04.05.2026 – Kurz vor der für morgen geplanten Abschaltung der Pumpen in den Wassergärten Landsweiler-Reden schlägt der Tiernotruf Saarland e.V. erneut Alarm. Eine aktuelle fachliche Stellungnahme des Experten Guido Seitz (Seitz-Group) belegt nun schwarz auf weiß, dass der vom Ministerium geplante Ablauf den biologischen Realitäten widerspricht und das Leben hunderter Tiere unnötig gefährdet.

Behörden-Zeitplan im Widerspruch zur Biologie
Trotz der offiziellen Beruhigungsversuche seitens der Behörden zeigt die fachliche Analyse vor Ort ein dramatisches Bild. Der Tiernotruf Saarland e.V. kritisiert insbesondere, dass die geplante Abfischung erst nach dem Stopp der Wasserzufuhr erfolgen soll. Laut Expertenmeinung ist dies der denkbar schlechteste Zeitpunkt, da Sauerstoffmangel und Temperaturanstieg innerhalb kürzester Zeit zum Erstickungstod der Tiere führen können.

„Es ist fachlich nicht nachvollziehbar, warum eine Abfischung nicht vor Eintritt dieser kritischen Phase vollständig durchgeführt wird“, heißt es in der Stellungnahme von Guido Seitz. Das Angebot des Tiernotruf Saarland, die Tiere sofort fachgerecht zu evakuieren und in den großflächigen Kapazitäten von Herrn Seitz in Homburg unterzubringen, bleibt von den Verantwortlichen bislang ungenutzt.

Rechtliche und ethische Bedenken
Der 1. Vorsitzende des Tiernotruf Saarland e.V., Thorsten Jochum, betont die juristische Tragweite: „Wenn fachlich geeignete Hilfsmaßnahmen bewusst abgelehnt werden, obwohl das System bereits biologisch instabil ist, stellt sich die Frage nach der Vereinbarkeit mit dem Tierschutzgesetz (§ 1 TierSchG). Hier werden vermeidbare Leiden der Tiere billigend in Kauf genommen.“

Vollständige Stellungnahme von Guido Seitz
(Experte für Teichsysteme, Fischhaltung, Wasserschildkröten und künstliche Biotopanlagen)

Betreff: Wassergärten Landsweiler-Reden – fachliche Stellungnahme zur Antwort des Ministeriums an den Tiernotruf Saarland e.V. (Herrn Thorsten Jochum)

„Sehr geehrte Damen und Herren,

im Zusammenhang mit der von Ihnen übermittelten Stellungnahme an den Tiernotruf Saarland e.V., vertreten durch Herrn Thorsten Jochum, habe ich mir – trotz eines parallel wahrzunehmenden Arzttermins – vor Ort ein eigenes Bild der Situation in den Wassergärten Landsweiler-Reden gemacht und diese durch eine fachliche Bewertung der aktuellen Wasserverhältnisse ergänzt.

Auf Grundlage dieser Inaugenscheinnahme sowie der Auswertung einer Vielzahl aktueller Bildaufnahmen komme ich zu folgender fachlicher Einschätzung:

Das betroffene Gewässersystem befindet sich bereits vor der geplanten Abschaltung der Pumpen in einer deutlich erkennbaren kritischen Übergangsphase.

Feststellbar sind unter anderem:
– ein bereits fortgeschrittener Wasserrückgang mit freiliegenden Uferzonen
– deutlich reduzierte Wassertiefen in Teilbereichen
– eine zunehmende organische Belastung des Wassers
– mangelnde Durchströmung und daraus resultierende Sauerstoffdefizite in einzelnen Zonen
– vorhandener und sichtbar konzentrierter Fischbestand in zunehmend begrenzten Wasserkörpern

Aus fachlicher Sicht handelt es sich hierbei nicht mehr um einen stabil kontrollierten Zustand, sondern um den Beginn einer biologischen Instabilität, die sich erfahrungsgemäß unter fortschreitendem Wasserverlust exponentiell verschärft.

Vor diesem Hintergrund ist insbesondere die von Ihnen dargestellte zeitliche Abfolge der Maßnahmen kritisch zu bewerten. Die geplante Vorgehensweise, Fische erst nach Abschaltung der Pumpen abzufischen, steht im direkten Widerspruch zu den bekannten physikalisch-biologischen Abläufen in solchen Systemen.

Mit Wegfall der Wasserzufuhr tritt regelmäßig eine phase ein, die durch folgende Prozesse gekennzeichnet ist:

– rascher Abfall des Sauerstoffgehalts
– Konzentration organischer und potentiell toxischer Stoffe
– Temperaturanstieg bei gleichzeitig sinkendem Wasservolumen
– erhebliche Stressreaktionen bei Fischen und anderen wassergebundenen Organismen

Diese Phase ist erfahrungsgemäß die kritischste im gesamten Verlauf eines solchen Rückbauprozesses und kann – abhängig von Witterung und Besatzdichte – innerhalb kürzester Zeit zu erheblichen Tierverlusten führen. Vor diesem Hintergrund ist es fachlich nicht nachvollziehbar, warum eine Abfischung nicht vor Eintritt dieser kritischen Phase vollständig durchgeführt wird.

Hinzu kommt, dass sich die dargestellten Maßnahmen überwiegend auf Fische konzentrieren, während andere Bestandteile des Ökosystems – insbesondere Amphibien, Larvenstadien, Kleinstlebewesen sowie versteckt lebende Organismen – faktisch nicht in vergleichbarer Weise gesichert werden können. Es ist daher davon auszugehen, dass ein erheblicher Teil der vorhandenen biologischen Vielfalt durch den gewählten Ablauf nicht geschützt werden kann.

Besonders kritisch zu bewerten ist darüber hinaus die Ablehnung konkret angebotener, kurzfristig umsetzbarer Hilfsmaßnahmen aus dem Tierschutzbereich. Wenn fachlich geeignete und unmittelbar verfügbare Kapazitäten zur Aufnahme und Sicherung von Tieren vorhanden sind, stellt deren Nichtnutzung aus meiner Sicht keine organisatorische Randentscheidung dar, sondern eine bewusste Prioritätensetzung mit unmittelbaren Auswirkungen auf das Tierwohl.

Unter Berücksichtigung von § 1 TierSchG, wonach niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf, stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, ob der aktuell gewählte Ablauf geeignet ist, vermeidbare Belastungen für die betroffenen Tiere auszuschließen.

Abschließend möchte ich betonen, dass es sich hierbei nicht um eine grundsätzliche Kritik an der Durchführung eines Rückbaus handelt, sondern um eine fachlich begründete Bewertung der konkreten Umsetzung und insbesondere ihrer zeitlichen Abfolge. Ein künstlich geschaffenes Gewässersystem mit aktivem Tierbestand lässt sich nicht allein nach administrativen Kriterien zurückführen, ohne die zugrunde liegenden biologischen Prozesse in den Mittelpunkt der Planung zu stellen.

Die vor Ort feststellbare Entwicklung legt nahe, dass genau dies aktuell nicht in ausreichendem Maße erfolgt. Ich bitte daher um eine erneute fachliche Prüfung der Abläufe, insbesondere hinsichtlich der zeitlichen Vorverlagerung von Sicherungsmaßnahmen für den vorhandenen Tierbestand.

Mit freundlichen Grüßen

Guido Seitz
Beyond the Business
Seitz-Group.de“

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